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Frieden ist sexy - eine Ausstellung von Dorothea J. May
Hier goldener Schimmer, dort zartrosa Augenschein. Aber Frieden, rosa, alles gold? Ja und nein. Kunst, zumal die Betrachtung von Kunst, ist stets ein Ereignis der Zwiesprache, und die Frage ist, wie läßt man sich ansprechen und was bleibt am Ende in einem selbst davon zurück? Wo man aber von vornherein Botschaften unterstellt, unterliegt man meist sehr schnell dem Zwang, sie zu entschlüsseln, und verbotschaftet man Kunst, will man dabei vor allem die Erleichterung des „Aha, so hat der Künstler das also gemeint“ mit nach Hause nehmen. Aus der Optik der Zwiesprache ist dies absolut tödlich. Es verschließt das Sehen im Vorbehalt des Bekannten, aus dem Ereignis wird Langeweile, aus dem Kreisverkehr eine Sackgasse. Daß Farben beispielsweise leuchten, interessiert niemanden mehr.
Dodi May nun malt Bilder, in denen die Farben wirklich leuchten. Es sind deshalb auch Bilder, an denen das interpretierende Auge nur Kahlschlag verüben kann. Ihr Thema? Das geöffnet bewußte Erfassen geistig kraftvoll schimmernder Welten. Ihr Motiv? Die freudige Zuneigung zu lebendigem Geschehen. Es ist Malerei und es passiert etwas. „Frieden ist sexy“ und dessen Schau ist ausdruckhaft möglich. Ein Eindruck, eine Erkenntnis, eine Gewißheit.
Zu sehen in dieser Ausstellung also sind Werke, die über verbriefte Assoziationen hinausweisen. Die Post geht nur im Leben ab und nur dort kann man sie auch empfangen. Ganz in diesem Sinne wird der Betrachter in die Pflicht genommen, und ganz in diesem Sinne sind Dodi Mays Bilder mehr Einladungen in eigene Bilderwelten denn Pamphlete für ein schaffendes Bewußtsein. Eben das macht ihre Betrachtung so spannend.
Man sieht Kompositionen, zu denen man nichts sagen muß und zu denen einem doch so viel einfällt. Symphonien, die einen nicht müßig nach ihrem Woher suchen lassen und die einem gerade dadurch die Drehung in die Retrospektive ersparen. Dodi May zeigt keine Chronologismen des Abgehakten, sie spiegelt die Gegenwart immer wieder neu sich ergreifender Zukunft. Da ist in ihren Bildern viel Gold, da ist die Farbe rosa und auch ein Blau, und sicherlich, da gibt es bisweilen auch Strahlen, die in ein Bild hinein und aus einem Bild herausreichen, aber die Perspektive wirbt nie um die Räumlichkeit, und gerade deshalb bleiben diese Bilder der Zeit stets enthoben; die Farbigkeit zwar in den Raum gestellt, aber eben zeitlos aufgreifend, was sich immerwährend zeigt. Was lebt, kann sich ewig erleben - in Faszination und immer neuem Staunen.
Der passive Akt ist ein Anachronismus, die Statik allein nie befriedigend. Leben pulsiert, es magnetisiert, es macht in der Harmonie mit sich selbst seinen Frieden und es bewegt sich konstant, um bestehen zu können. Frieden ist deshalb beileibe kein Stillhalteabkommen, ist kein Sich-gegenseitig-Einlullen, es ist die funkensprühende Zweiseitigkeit, wie sie nur in magischer Einheit möglich ist - ein rauschendes Fest, ein Tanz nie versiegender Attraktionen. Sexy, bewegend, umkreisend; haar-sträubend, aufreizend und sinnlich. Ein Spiel aus Not und Leidenschaft, ein Feuerwerk aus selbsterhaltender Liebe.
Und die Harmonie? Sie bedeutet nicht, seine Gegenseite aufzuheben, sie bedeutet dem Reiz des einem zugehörig anderen gewachsen zu sein. Das Hier und das Gegenüber, das Eine und das Andere je ganz in sich beisammen und in sich selbst je immer das Ganze. Sich immer wieder anziehend und sich immer wieder selbstwahrnehmend zusammenhaltend. Das Leben daher: Ein lustvoller Reigen, der sich stets um die eigene Mitte dreht - angezogen vom Begehren seiner eigenen Schönheit in einer Welt, die ist, weil sie sein will.
Diese Sphäre nun birgt die Bilder, die Dodi May in ihrer Malerei einfängt; vorbehaltlos, unverschroben und höchstgradig lebendig. Fernab esoterischen Gestammels und den Honigkuchen der Abwiegelung vermögen daher auch Worte wie „meditativ“, „spirituell“ oder „substantiell geistig“ den Kern ihrer Ausstellung zu charakterisieren, einer Ausstellung, deren Bilder vollkommen unprätentiös das beredte Zeugnis einer Mitteilung ablegen.
Und natürlich: Bilder selbst können weder meditativ noch können sie spirituell sein; sie sind immer materieller Abdruck, sie sind immer Leinwand und Farbe. Was sie aber eröffnen, ist ganz etwas anderes. Es passiert hinter den eigenen Augen, urplötzlich und heftig: Der Betrachter schaut und sieht etwas, das er selbst schon immer eigentlich ist. Ich möchte Dodi May deshalb einen Satz schenken, von dem ich lange Zeit dachte, daß er mir gehört: „Am Anfang steht immer der Horizont“. Man muß immer schon da sein, wo man hinwill.
Sandra Papadopoulos
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